„Nik‘laus ist ein guter Mann“- Bilderbücher mit dem Heiligen Bischof Nikolaus

Der Bischof Nikolaus von Myra lebte vor 1700 Jahren in einer Küstenstadt der heutigen Türkei. Dass er besonders zu Kindern gut war, davon berichten einige Legenden des Heiligen. Das Brauchtum am Abend vorm Nikolaustag Stiefel, Schuhe oder Teller aufzustellen, geht auf die Legende der Mitgiftsgabe für drei verarmte Mädchen zurück. Der Bischof Nikolaus warf nachts Gold zum Fenster der jungen Frauen herein. Daher wird er häufig mit drei goldenen Kugeln oder auch drei Äpfeln dargestellt.

Der Nikolaustag ist am 6. Dezember. In einigen Regionen Deutschlands wird am 5. Dezember der Nikolausabend gefeiert, an dem der Heilige persönlich die Kinder besucht, lobt, ermahnt und beschenkt.

 

„Ein Geschenk für den Nikolaus“ von Ursel Scheffler/Annegert Fuchshuber (1983)

Lesealter: 3-6 Jahre

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

©1983, Ravensburger Buchverlag, ISBN978-3473303083

www.ravensburger.de

Es ist Sommer. Der Nikolaus arbeitet im Garten. Im Herbst arbeitet er bis in die tiefe Nacht in seiner Werkstatt. Im November steigt der Nikolaus auf den Dachboden und holt aus der großen Truhe sein Bischofsgewand, den goldenen Krummstab, das goldene Buch, den Sack und seine schwarzen Winterstiefel. Er schaut, was noch repariert werden muss.

Endlich ist der 5. Dezember da und der Nikolaus macht sich mit seinem Schlitten auf den Weg zur Stadt. Die Kinder warten bereits hinter den Fenstern in der Abenddämmerung. Die Geschwister Peter, Tina und Anne vertreiben sich die Zeit bis zur Ankunft des Nikolaus mit Basteleien. Anne packt den schönsten Papierstern ein und steckt das Geschenk in ihre Hosentasche. Da klingelt es an der Tür und der Nikolaus tritt mit seinen schweren Stiefeln in die Stube. Er liest den Kindern aus seinem goldenen Buch vor und hat für jedes Kind ein kleines Geschenk dabei. Dann geht der Nikolaus wieder. Anne läuft ihm nach und sagt ein kleines Gedicht auf und überreicht dem Nikolaus ihr Geschenk. Gerührt setzt sich der Nikolaus auf die Haustreppe und wickelt das Päckchen aus. Dabei brummt er leise: „Ein Geschenk für den Nikolaus? Das ist mir in hundert Jahren noch nicht passiert!“ (Ursel Scheffler: Ein Geschenk für den Nikolaus, Ravensburger Buchverlag, 1983).

In manchen Ausgaben folgt  nun noch eine Doppelseite: Als der heilige Mann den Stern auspackt, wird ihm ganz warm ums Herz und er macht sich auf den Weg nach Hause. Auch steht Annes Gedicht für den Nikolaus auf der letzten Seite abgedruckt.

Diese Version findet sich in dieser Geschichten- und Liedersammlung, die der Ravensburger Verlag 2014 veröffentlicht hat:

„Die schönsten Geschichten und Lieder zu Weihnachten“ (2014)

Lesealter: ab 3 Jahre

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

©2014, Ravensburger Buchverlag. ISBN978-3473446506

www.ravensburger.de

Das Buch „Ein Geschenk für den Nikolaus“ wurde 1983 im Ravensburger Buchverlag veröffentlicht. Im Sommer führt der Nikolaus ein zurückgezogenes Leben, hackt der Holz, repariert das Dach und arbeitet im Garten. Der Nikolaus wird so als einfacher Mann dargestellt, der ein bescheidenes und zurückgezogenes Leben führt. Er ist ein netter älterer Herr, „ein bißchen wie Opa“, findet Anne später im Verlauf der Geschichte. Im Herbst beginnt der Nikolaus mit den Basteleien für die Kinder in seiner Werkstatt. Hier wird deutlich, dass der Nikolaus jedes Präsent von Hand fertigt und persönlich gestaltet.

Als Kind mochte ich besonders das Novemberbild. Hier sieht man den Nikolaus, wie er in einer großen Truhe auf dem Dachboden wühlt. Im Vordergund hat er die Winterstiefel, das goldene Buch, den Sack und den Schlitten bereits hervorgeholt. Jetzt sucht der Heilige Nikolaus gerade nach Bischofsgewand und dem goldenen Bischofsstab. Die Rute guckt an der Seite auch aus der Truhe hervor. Der Heilige Nikolaus ist vor allen Dingen ein Mann der Zeichen. Es wird deutlich, dass er sich extra für den Nikolausabend festlich kleidet und zum Heiligen Mann mit Mitra und Bischofsstab wird. Die typischen Farben Weiß und Rot finden sich im liturgischen Gewand und Mantel wieder. Trotz seines Alters  macht er sich durch den kalten Winterwald auf den Weg zu den Kindern. Vor der abendlichen, blauen Schneelandschaft sticht der Nikolaus deutlich hervor. Den vollbeladenen, aber dennoch zierlichen Schlitten zieht der Nikolaus hinter sich her.

Insgesamt zeichnen Autorin und Illustratorin das Bild eines bescheidenen alten Mannes, dessen Leben auf die Begegnung mit den Kindern ausgerichtet ist. Umso mehr überrascht ihn, dass er an diesem Nikolausabend selbst ein Geschenk erhält.

Mir hat das Buch als Kind unheimlich gut gefallen. Die Autorin und Illustratorin zeigen einen Nikolaus, der sich hier verhält wie man es von ihm erwartet. Das Besondere ist, dass er auch in seinem Alltag begleitet wird und man noch etwas mehr über ihn erfährt.  Die kurzen1 bis 2 Sätze pro Buchseite lassen viel Raum für Gespräche über die Bilder und man kann so tiefer in die Geschichte und die Vorstellungen vom Leben des Nikolauses einsteigen.

Für meinen Geschmack passt der Schnauzbart allerdings nicht ganz zu meinem Bild des Nikolauses und machte ihn etwas jung. Als Kind fand ich einen Nikolaus ohne Bart etwas befremdlich. Auch die Darstellung der Geschenke deckte sich nicht mit meinen Erfahrungen. In meiner Kindheit brachte der Nikolaus meist eine „Kleinigkeit“, also Schokolade, Mandarinen, Plätzchen und Nüsse.

Abgesehen von diesen beiden Kritikpunkten finde ich das Buch rundum gelungen und empfehlenswert!

 

„Brot für Myra, die Legende vom heiligen Nikolaus“ von Otfried Preußler/ Ursula Kirchberger (2004)

Lesealter: 6-8 Jahre

 

 

 

 

 

 

©2004, Thienemann-Esslinger Verlag, ISBN 978-3522176897

www.thienemann-esslinger.de

In diesem Buch wird die Legende der Kornmehrung in einer etwas anderen Fassung erzählt. Hier ist es der Bischof Nikolaus, der aktiv auf die Suche nach Korn für die Bewohner der Stadt Myra geht. Dabei erbittet er sich von den reichen Kaufleuten der Stadt Geld, ein Schiff und lässt sich dann von Wind und Wellen und mit Gottes Hilfe an einen fremden Strand treiben. Dort gibt es Getreide im Überfluss und Bauern, die froh sind ihre Ernte zu einem guten Preis zu verkaufen. Nach seiner Rückkehr  verteilt Bischof Nikolaus das Getreide unter der armen Menschen der Stadt und alle werden endlich satt. Für die Kinder aber hat er Körbe mit Naschwerk wie Nüsse, Mandeln und Äpfel gekauft und so macht er sich nachts gemeinsam mit einem treuen Weggefährten und Korbträger auf den Weg in die Stadt und befüllt die Schuhe der Kinder, die sie – wie es Sitte war- vor der Haustür ausgezogen hatten.

Eine schöne Erzählung Preußler’s , die aber mit der ursprünglichen Legende der Kornmehrung in ihrer Tiefe nicht mithalten kann.

„Das Nikolaus-ABC“ von James Krüss/Günther Jakobs (2015)

Lesealter: 3-6 Jahre

 

 

 

 

 

 

 

 

©2015, Gabriel in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH, ISBN978-3522304139

www.thienemann-esslinger.de

 

James Krüss  Gedicht „Nikolaus ABC“ wird in dieser Bilderbuchausgabe vom Illustrator Günther Jakobs mit viel Humor umgesetzt. Der Nikolaus trägt seine typische Bischofsmütze und den roten Mantel und macht sich auf den Weg durch den Wald zu den Kindern. Im Flur einer Großfamilie stehen bereits sämtliche Schuhe aufgereiht . Auf den folgenden Seiten wird im Detail abgebildet und erzählt, wie der Nikolaus in tiefer Nacht ans Werk geht. Der Text geht auch auf den Brauch ein, unartigen Kindern eine Rute in den Stiefel zu stecken und fragt in der Mitte des Alphabets „Mögt ihr wissen, wer das ist? Nikolaus, der Knecht vom Christ.“ Die Bilder zeigen den heiligen Bischof Nikolaus als sympathischen, aber etwas tollpatschigen Gabenbringer, der auch das Haustier nicht vergisst. Viele Bilder sind mit einem Augenzwinkern versehen und es gibt kleine witzige Details zu entdecken. Leider geht dem Nikolaus durch seine Darstellung etwas die Würde und Ernsthaftigkeit verloren.

Ich persönlich finde die Illustrationen modern und gelungen, allerdings hätte es der Bildstimmung gut getan, wenn der Nikolaus nicht nur in hell erleuchteten Räumen agiert hätte. Der Vorabend, die Nikolausnacht und der Morgen sind nah an der Realität des Kindes.

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