Erich Kästner – Von Kindern wie sie einem täglich an der Nase vorbeilaufen

Wie gut, dass Erich Kästner auf den Rat des Oberkellners Nietenführ gehört hat, der im Vorwort zu Emil und die Detektive sagt: „Das Beste wird sein, Sie schreiben über Sachen, die Sie kennen. Also von der Untergrundbahn und Hotels und solchem Zeug. Und von Kindern, wie sie ihnen täglich an der Nase vorbeilaufen und wie wir früher einmal selber welche waren.“ (aus: Kästner für Kinder, Atrium Verlag, Zürich,2014, S.12)  Und dies scheint Kästner tatsächlich gelungen, denn anders ist es nicht zu erklären, dass er mit seinen Büchern heute noch den Geschmack von Kindern trifft, indem er direkt ihren Gerechtigkeits- und Familiensinn anspricht. Und dies in einer bildhaften Sprache, die im Innersten anrührt.

Zu meinem 10. Geburtstag bekam ich fünf Bücher Kästners geschenkt und habe sie auch alle nach und nach gelesen. Noch heute sehen die Buchausgaben aus dem Dressler Verlag aus wie in meiner Kindheit. Dies liegt auch an den zeitlosen Zeichnungen des Illustrators Walter Trier, die immer noch auf den Covern zu finden sind.

 

©2017, Dressler Verlag, ISBN 978-3791530116

www.oetinger.de

Lesealter: 10-12 Jahre

Beim doppelten Lottchen sah ich zuerst die Verfilmung aus dem Jahr 1950 im Sommerferienprogramm. Hier übernimmt Erich Kästner persönlich die Rolle des Erzählers und ist zu Beginn des Films in einer Einblendung zu sehen. Wenig später las ich dann das Buch und fand es dramaturgisch sogar noch spannender als den Film, der mir als Kind sehr lang vorkam (, was er mit 1 Stunde und 45 Minuten auch ist). In angenehmer Weise hörte ich beim Lesen die Ansagen und Unterbrechungen des Erzählers in Kästners sonorer Stimmfarbe, was das Ganze wirklich unterhaltsam machte.  Im Buch identifizierte ich mich wie im Film sofort mit der braven Lotte und konnte die Nöte eines Scheidungskindes gut nachvollziehen.

Eine kurzer inhaltlicher Überblick:

Im Mädchenferienlager in Seebühl am Bühlsee wundert man sich: zwei der jungen Urlauberinnen sehen sich zum Verwechseln ähnlich. Die eine heißt Lotte, die andere Luise. Nach einiger Zeit stellen die beiden Mädchen fest, dass sie sogar am selben Tag Geburtstag haben. Nun ist klar, dass sie Zwillingsschwestern sind und nach der Trennung der Eltern jeweils bei Vater und Mutter aufgewachsen sind. Im Geheimen hecken beide einen Plan aus und steuern bei der Abreise den jeweils anderen Elternteil an. Dies bringt das Leben aller Beteiligter gehörig durcheinander und weckt die Sehnsucht nach Familie.

 

 

 

©2010, Cecilie Dressler Verlag, ISBN 978-3791530123

www.oetinger.de

Lesealter: 10-12 Jahre

Bei der Lektüre von Emil und die Detektive wurde mir das erste Mal bewusst, dass es auch allein erziehende Mütter gibt. Und dass diese arbeiten müssen, war für mich eine neue, aber auch logische Folgerung. Der Kinderkrimi in der Großstadt zog  mich von der ersten bis zur letzten Seite in seinen Bann.

Eine kurze Inhaltsangabe:

Emil ist ein sympathischer Schuljunge, ein richtiger Musterknabe, der seiner allein erziehenden Mutter eine große Stütze ist. Zu Beginn der Geschichte schickt ihn seine Mutter mit einem Umschlag mit 140 Mark zur Großmutter nach Berlin. Emil muss alleine fahren, weil seine Mutter als Friseurin arbeitet. Er steigt also ins Zugabteil und gibt gut Acht, dass das Geld in seiner Brusttasche nicht abhanden kommt. Allerdings wird Emil mulmig zumute als ein Mann mit einem steifen Hut zusteigt, der verrückte Geschichten erzählt und ihm Schokolade anbietet. Emils Misstrauen stellt sich als vollkommen gerechtfertigt heraus. Als er kurz einnickt und wieder aufwacht, werden seine schlimmsten Befürchtungen wahr: Das Kuvert ist verschwunden. Sofort nimmt Emil die Verfolgung des fremden Mannes in der großen Stadt Berlin auf. Aber was kann ein einzelner Junge gegen so einen abgebrühten Ganoven ausrichten? Tatsächlich gelingt dies Emil nur mit unerwarteter Unterstützung.

 

 

©1976, Cecilie Dressler Verlag, ISBN 978-3791530147

www.oetinger.de

Lesealter: 10-12 Jahre

Unter dem Titel stellte ich mir als Kind irgendeine mathematische Geschichte vor, daher war ich sehr überrascht, dass es sich um zwei Kinder handelt, die ein Ganovenpaar dingfest machen. Das Buch wurde von einer Mitschülerin im Deutschunterricht vorgestellt und ich konnte es mir kurze Zeit später bei ihr ausleihen. Die Geschichte von Pünktchen und Anton entwickelte sich dramaturgisch so spannend, dass ich das Buch gar nicht weglegen konnte und bis in die Nacht las.

Ein kurzer inhaltlicher Überblick:

Pünktchen Pogge, Direktorstochter, benimmt sich merkwürdig und total übermüdet ist das Kind auch. Aber nicht die Eltern lüften ihr Geheimnis , sondern Pünktchens neuer Freund Anton. Auf jeden Fall steckt da Fräulein Andacht, Pünktchens Kinderfräulein, hinter und ihr unsympathischer Bräutigam auch. Nun wird Pünktchens Vater, der Direktor Pogge, auch misstrauisch, Anton verständigt die Polizei und das Dienstmädchen Berta ist zum Glück zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

 

Weitere Bücher Erich Kästners sind unter anderen:

Lesealter:10-12 Jahre

©2010, Dressler Verlag, ISBN 978-3791530154

www.oetinger.de

 

Lesealter: 8-10 Jahre

©2010, Dressler Verlag, ISBN 978-3791530499

www.oetinger.de

 

Lesealter:10-12 Jahre

©2014, Atrium Zürich, ISBN 978-3791530154

www.atrium-verlag.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.