{"id":587,"date":"2017-12-06T19:36:04","date_gmt":"2017-12-06T19:36:04","guid":{"rendered":"http:\/\/kinderbuch.blog\/?p=587"},"modified":"2018-01-09T10:29:24","modified_gmt":"2018-01-09T10:29:24","slug":"drauss-vom-walde-komm-ich-her-knecht-ruprecht-in-bilderbuechern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kinderbuch.blog\/?p=587","title":{"rendered":"\u201eDrau\u00df\u2018 vom Walde komm ich her\u201c \u2013 Knecht Ruprecht in Bilderb\u00fcchern"},"content":{"rendered":"<p>Im protestantischen Raum wollte man nach der Reformation das Heiligenfest des Bischofs Nikolaus der katholischen Kirche nicht \u00fcbernehmen. Hier tritt \u00a0eine neue Weihnachtsgestalt auf: der Knecht Ruprecht, der meist einen braunen, schwarzen oder dunkelroten Mantel und Pelzm\u00fctze oder Zipfelm\u00fctze tr\u00e4gt. Dieser Mann wird meist sehr naturverbunden beschrieben und ist\u00a0 freundlich zu den Tieren. Auch beschert der Knecht Ruprecht traditionell nicht am Nikolausabend, sondern am Heiligabend oder am 1.Weihnachtsfeiertag.<\/p>\n<p><strong>\u201eTeddys Weihnachten\u201c von Lena Hahn\/Fritz Baumgarten (1956)<\/strong><\/p>\n<p>Lesealter: 3-6 Jahre<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-512\" src=\"http:\/\/kinderbuch.blog\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Teddys-Weihnachten-300x216.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"216\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00a92012, Titania Verlag, ISBN978-3864726002<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.titaniaverlag.com\">www.titaniaverlag.com<\/a><\/p>\n<p>Dieses Bilderbuch verbindet die typische Baumgarten-Wichtelwelt mit der Weihnachtsvorstellung vom Knecht Ruprecht, der sich am Heiligabend vom Himmel auf den Weg zu den Menschenkindern auf der Erde macht. Dabei sitzt auf dem gro\u00dfen Gabensack ein Teddyb\u00e4r, der f\u00fcr den kranken Klaus gedacht ist. Die Fahrt mit dem Silberschlitten zur Erde \u00fcbersteht der Teddy gut. Doch nach einer kurzen Rast bei den Tieren des Waldes geht der kleine B\u00e4r verloren. Zum Gl\u00fcck ist gleich in der N\u00e4he eine Wichtel-Backstube. Dort wird Teddy in der weihnachtlich geschm\u00fcckten Wichtelh\u00f6hle von den Wichteln freudig aufgenommen. Hier l\u00e4sst sich vergn\u00fcglich leben: am nachmittag geht Teddy mit den Wichteln Rodeln und am Weihnachtsabend strahlt Teddy vor Freude beim Anblick des \u00a0hell erleuchteten Weihnachtsbaums. Doch der gute Knecht Ruprecht hat den Verlust des Teddyb\u00e4ren bemerkt und holt ihn bei den freundlichen Wichteln wieder ab. Nun bringt er den B\u00e4ren zu Klaus, der mit einem gebrochenen Arm allein zuhause in seinem Bett liegt. Dieser freut sich besonders \u00fcber den Besuch des Knecht Ruprechts und \u00fcber den langersehnten Teddyb\u00e4ren.<\/p>\n<p>Das Buch handelt \u2013 wie der Titel \u201eTeddys Weihnachten\u201c deutlich macht- von den Eindr\u00fccken des kleinen Teddyb\u00e4ren am 24. Dezember. Der B\u00e4r ist Identifikationsfigur f\u00fcr das betrachtende Kind, das auf diese Reise mitgenommen wird und Teddys Eindr\u00fccke miterlebt und mitf\u00fchlen kann. \u00a0Jede Bildseite wird von 3 kurzen Paarreimen begleitet. Die Figuren von Fritz Baumgarten sprechen aufgrund ihrer kindlichen Mimik den Betrachter direkt an und setzen die Verse von Lena Hahn unmittelbar um. Der Knecht Ruprecht ist hier traditionell mit schwarzer Pelzm\u00fctze und pelzbesetztem roten Wintermantel dargestellt. Ein alter Mann mit einem langen wei\u00dfen Rauschebart, einem Jutesack und einer schwarzen ledernen Umh\u00e4ngetasche. Dieses Bild spiegelt die\u00a0 romantische Vorstellung des Knecht Ruprechts im deutschen Volksglauben und passt gut zur Naturidylle des Wichtelwaldes. Die Bildkomposition ist harmonisch und spricht einfach das Herz an. Ein sch\u00f6ner Weihnachtsklassiker!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u201eKnecht Ruprecht\u201c von Theodor Storm\/Klaus Ensikat (1862)<\/strong><\/p>\n<p>Lesealter: 4-7 Jahre<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-588\" src=\"http:\/\/kinderbuch.blog\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/Knecht-Ruprecht-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00a92016, Berlin,\u00a0 Kindermann Verlag, ISBN978-3934029699<\/p>\n<p>www.kindermannverlag.de<\/p>\n<p>Theodor Storm schrieb das Gedicht \u201eKnecht Ruprecht\u201c im Jahr 1862 im Alter von 45 Jahren. Es z\u00e4hlt zu den klassischen Weihnachtsgedichten und bildet das Kernst\u00fcck der Erz\u00e4hlung \u201eUnter dem Tannenbaum\u201c, in dem er autobiografisch und volkst\u00fcmlich einen Weihnachtsabend in der Familie darstellt. Obwohl Theodor Storm sehr liberal war, spiegelt es doch eine spirituell-\u00e4sthetische oder sogar religi\u00f6se Heimat. Das Gedicht wurde bei Gro\u00dffamilie Storm am Heiligen Abend wohl auch szenisch nachgestellt. Es\u00a0 l\u00e4sst sich in 2 Dialoge teilen: zun\u00e4chst der Dialog des Knecht Ruprechts mit dem Christkind und danach der Dialog mit dem Familienvater, der gegen\u00fcber dem Knecht Ruprecht als F\u00fcrsprecher der Kinder agiert. Insgesamt spiegelt das Gedicht ein romantisches Bild vom Knecht Ruprecht als naturverbundenem, treuen Gesellen des Christkindes. Dieser wird vom Christkind am Heiligabend ausgesandt, um abzufragen, ob die Kinder des Hauses auch brav, gelehrsam und gl\u00e4ubig waren. Bei Beschwerden der Eltern droht der Knecht Ruprecht mit der Rute. Im Gedicht zeigt es sich aber, dass die Kinder trotz \u201etrotzigen Kindermutes\u201c im vergangenen Jahr ihren Pflichten nachkamen. So leert Knecht Ruprecht seinen Gabensack aus, der Kuchen, \u00c4pfel und N\u00fcsse enth\u00e4lt. Und k\u00fcndigt f\u00fcr den Weihnachtstag den \u201eKerzenschein\u201c des Christkinds und dessen \u201ebessere\u201c Gaben an.<\/p>\n<p>Das vorliegende Bilderbuch aus der Reihe \u201ePoesie f\u00fcr Kinder\u201c zeigt parallel zur romantischen Darstellung \u00a0des Autors Theodor Storm einen Knecht Ruprecht in der Tradition des Realismus. Da der Weihnachtsmann mittlerweile viele Bilder von Nikolaus und Ruprecht verdr\u00e4ngt hat, zeigt sich dieser Knecht Ruprecht im einfachen Weihnachtsmanngewand und mit einem Rentierschlitten voller Geschenke. Das Gesicht und die Mimik vermitteln das Bild eines etwas grobschl\u00e4chtigen, \u00e4lteren Mannes mit wei\u00dfen Haaren und wei\u00dfem Bart. Die Heimat des Knechts Ruprechts im Wald wird auf den ersten Seiten gezeigt. Hier ist die heimische Tierwelt mit bunten Paketen in Maul und Schnabel dargestellt. Dann verlagert sich die Handlung in eine Fu\u00dfg\u00e4ngerzone mit Weihnachtsmarkt und Wohngebiete der Altstadt. Das Lokalkolorit hat 80er Jahre-Charme. Dies ist neben der Kulisse auch auf die Kleidung der wimmelnden Menschen zur\u00fcckzuf\u00fchren. Was die Darstellung der Personen so besonders macht, ist die \u00fcberproportionale Gr\u00f6\u00dfe der K\u00f6pfe und deren ausdrucksstarke Mimik. Hier findet man verzehrtes L\u00e4cheln, skeptische Blicke, ausdruckslose Blicke, Schadenfreude, m\u00fcrrische Blicke und rotwangige Freude. Besonders die Kinder wirken in ihrer Mimik verzerrt. Der Knecht Ruprecht ist -neben einigen Kindern- \u00a0der einzige der gegen diese unterk\u00fchlte Weihnachtsstimmung anschmunzelt und anlacht.<\/p>\n<p>Mir pers\u00f6nlich gef\u00e4llt diese k\u00fcnstlerische \u00dcbertragung des Textes in Bilder der modernen Zeit nicht. Zwar l\u00e4sst es einige Verse in neuem Licht erscheinen, aber die warmen, heimeligen Bilder, die beim Lesen des Gedichts vorm inneren Auge aufsteigen, bedienen die Illustrationen Ensikats nicht. Es konterkariert das Storm\u2018sche Bild vom Knecht Ruprecht und den Kindern auf eine gewisse Weise und entzaubert den Text. Das ist sehr schade, denn Klaus Ensikats Adaption des Osterspaziergangs von Johann Wolfgang von Goethe in eben dieser Reihe \u201ePoesie f\u00fcr Kinder\u201c\u00a0 hat mich absolut \u00fcberzeugt und auch emotional ber\u00fchrt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Knecht Ruprecht (von Theodor Storm, 1862)<\/strong><\/p>\n<p><em>Ruprecht:<\/em>\u00a0Habt guten Abend, alt und jung<br \/>\nbin allen wohl bekannt genung.<br \/>\nVon drau\u00df vom Walde komm ich her;<br \/>\nich mu\u00df Euch sagen es weihnachtet sehr!<br \/>\nAll\u00fcberall auf den Tannenspitzen<br \/>\nsah ich goldene Lichtlein sitzen;<br \/>\nund droben aus dem Himmelstor<br \/>\nsah mit gro\u00dfen Augen das Christkind hervor.<br \/>\nUnd wie ich so strolcht durch den finsteren Tann,<br \/>\nda rief\u2019s mich mit heller Stimme an:<br \/>\nKnecht Ruprecht, rief es alter Gesell,<br \/>\nhebe die Beine und spute dich schnell!<br \/>\nDie Kerzen fangen zu brennen an,<br \/>\ndas Himmelstor ist aufgetan,<br \/>\nAlt und Junge sollen nun<br \/>\nvon der Jagd des Lebens einmal ruhn;<br \/>\nund morgen flieg ich hinab zur Erden,<br \/>\ndenn es soll wieder weihnachten werden!<br \/>\nSo geh denn rasch von Haus zu Haus.<br \/>\nsuch mir die guten Kinder aus,<br \/>\ndamit ich ihrer mag gedenken<br \/>\nmit sch\u00f6nen Sachen sie mag beschenken.<\/p>\n<p><em>Ich sprach:<\/em>\u00a0O lieber Herre Christ,<br \/>\nMeine Reise fast zu Ende ist.<br \/>\nIch soll nur noch in diese Stadt,<br \/>\nWo\u2019s eitel gute Kinder hat.<br \/>\nHast denn das S\u00e4cklein auch bei dir?<\/p>\n<p><em>Ich sprach:<\/em>\u00a0Das S\u00e4cklein, das ist hier,<br \/>\nDenn \u00c4pfel, Nu\u00df und Mandelkern<br \/>\nfre\u00dfen fromme Kinder gern.<br \/>\nHast denn die Rute auch bei dir?<\/p>\n<p><em>Ich sprach:<\/em>\u00a0die Rute die ist hier.<br \/>\nDoch f\u00fcr die Kinder, nur die schlechten,<br \/>\ndie trifft sie auf den Teil, den rechten.<br \/>\nChristkindlein sprach: So ist es recht.<br \/>\nSo geh mit Gott, mein treuer Knecht!<br \/>\nVon drau\u00df, vom Walde komm ich her,<br \/>\nIch mu\u00df euch sagen es weihnachtet sehr!<br \/>\nNun sprecht wie ich\u2019s hierinnen find:<br \/>\nsind\u2019s gute Kind., sind\u2019s b\u00f6se Kind?<\/p>\n<p><em>Vater:<\/em>\u00a0Die Kindlein sind wohl alle gut,<br \/>\nhaben nur mitunter was trotzigen Mut.<\/p>\n<p><em>Ruprecht:\u00a0<\/em>Ei, ei, f\u00fcr trotzgen Kindermut<br \/>\nist meine lang Rute gut!<br \/>\nHei\u00dft es bei Euch denn nicht mitunter:<br \/>\nNieder den Kopf und die Hosen herunter?<\/p>\n<p><em>Vater:<\/em>\u00a0Wie einer s\u00fcndigt so wird er gestraft;<br \/>\ndie Kindlein sind schon alle brav.<\/p>\n<p><em>Ruprecht:<\/em>\u00a0Stecken sie die Nas auch t\u00fcchtig ins Buch,<br \/>\nlesen und scheiben und rechnen genug?<\/p>\n<p><em>Vater:<\/em>\u00a0Sie lernen mit ihrer kleinen Kraft,<br \/>\nwir hoffen zu Gott, da\u00df es endlich schafft.<\/p>\n<p><em>Ruprecht:<\/em>\u00a0Beten sie denn nach altem Brauch<br \/>\nim Bett Ihr Abendspr\u00fcchlein auch?<\/p>\n<p><em>Vater:\u00a0<\/em>Neulich h\u00f6rt ich im K\u00e4mmerlein<br \/>\neine kleine Stimme sprechen allein;<br \/>\nund als ich an die T\u00fcr getreten,<br \/>\nf\u00fcr alle Lieben h\u00f6rt ich sie beten.<\/p>\n<p><em>Ruprecht:<\/em>\u00a0So nehmet denn Christkindleins Gru\u00df,<br \/>\nKuchen und \u00c4pfel, \u00c4pfel und Nu\u00df;<br \/>\nprobiert einmal von seinen Gaben<br \/>\nmorgen sollt ihr was be\u00dferes haben.<br \/>\nDann kommt mit seinem Kerzenschein<br \/>\nChristkindlein selber zu euch herein.<br \/>\nHeut h\u00e4lt es noch am Himmel Wacht;<br \/>\nnun schlafet sanft, habt gute Nacht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im protestantischen Raum wollte man nach der Reformation das Heiligenfest des Bischofs Nikolaus der katholischen Kirche nicht \u00fcbernehmen. 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