„Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“ von Otfried Preußler/ Thorsten Saleina

Vor drei Wochen ist die Zwischenepisode „Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“  um den Räuber Hotzenplotz, Kasperl und Seppel beim Thienemann Verlag erschienen. Inhaltlich gestaltet sich die Erzählung im Vergleich zu den Vorgängerbüchern einfach:

Kasperls Großmutter liest in ihrer Küche Zeitung. Da kommt Kasperl dazu und wünscht sich zum Mittagessen Schwammerlsuppe mit Speck, Zwiebeln und Knödeln. Als sich Kasperl auf den Weg machen möchte, Seppel zu suchen, läuft er Wachtmeister Dimpfelmoser in die Arme. Dieser verbietet Kasperl das Haus zu verlassen, weil der berüchtigte Räuber Hotzenplotz  „vor einer halben Stunde – und fünf Minuten“ (S.9f) aus dem Spritzenhaus ausgebrochen sei.

Kasperl beruhigt den aufgeregten Polizisten und sichert ihm zu, dass er gemeinsam mit Seppel den Räuber schon wieder einfangen wird. Kasperl macht sich auf den Weg in den Garten, um Seppel zu wecken, der in der Gartenlaube ein Nickerchen hält. Seppel’s spontaner Ausruf „Den könnte ich auf den Mond schießen!“ (S.14) bringt Kasperl allerdings auf eine abenteuerliche Idee. Sofort  machen sich die beiden Freunde ans Werk und schleppen eifrig Kartonage, Kleister und silbernes Klebeband aus Großmutters Keller in den Garten. Und nun beginnt die große Bastelei!

Bald ist eine riesige silberne Kartonrolle fertig und Kasperl schreibt mit schwarzer Farbe „Mondrakete“ darauf. Das Monstrum kommt zusammen mit mit ein paar Schnüren und Säcken auf den Handleiterwagen der Großmutter und ab geht es zum Räuberwald! Dort liegt der Räuber Hotzenplotz derweil im Gebüsch und macht laut schnarchend eine wohlverdiente Pause. Mitten im schönsten Räubertraum wacht er auf und entdeckt Kasperl und Seppel, die sich lauthals mit der besonderen Fracht auf dem Leiterwagen abmühen und in einen Streit verwickelt sind. Die beiden können sich einfach nicht einig werden, wer zum Mond fliegen darf, um von dem dortigen Mondsilber mitzubringen. Der Räuber Hotzenplotz meint seinen Ohren nicht zu trauen und springt den beiden direkt vor die Füße. Mit vorgehaltener Pfefferpistole fordert er die beiden Streithähne auf, ihn mit der Rakete auf den Mond zu schießen. Und nun geht die Raumfahrt los: Zunächst streifen die beiden Freunde dem Räuber einen Kartoffelsack als Raumanzug über. Mit den Schnüren wird der Räuber fest angeschnallt und zuguterletzt in die Rakete gepropft. Als die Rakete beladen ist, kommt sie auf den Bollerwagen und an Bord dieser Startrampe beginnt die wilde Fahrt zurück ins Städtchen. Nebenbei zählen Kasperl und Seppel immer wieder den Countdown runter und als sie schließlich oben am Bergkamm angekommen sind, kann die wilde Mondfahrt beginnen. Mittlerweile ist auch dem Räuber klargeworden, dass er betrogen wurde. Aber Hotzenplotz ist so gut verpackt, dass er sich nicht rühren kann. Endlich stoppt die Mondrakete und zwar vor der Wachstube des Wachtmeisters Alois Dimpfelmoser. Dieser kann er sein Glück zunächst nicht fassen. Doch schließlich setzt sich ein feierlicher Triumphzug zum Kreisstadtgefängnis in Bewegung.

Am Schluss endet der erfolgreiche Tag wieder in der Stube der Großmutter. Diese kredenzt Kasperl, Seppel und dem Wachtmeister Dimpfelmoser wie versprochen die dampfenden Knödel und die Schwammerlsuppe.

„Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete“ von Otfried Preußler/ Thorsten Saleina (2018)

Lesealter: 6-8 Jahre

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

©2018, Thienemann Verlag, ISBN 9783522185103

www.thienemann-esslinger.de

 

Die Geschichte und ihre Dialoge entstammen dem Bühnenstück „Die Fahrt auf den Mond“, das 1969 erstmals in einem Puppentheatersammelband des Thienemann Verlags erschien.  Otfried Preußler schrieb das Stück 1967 in einer Schaffenspause an seinem Jugendbuch „Krabat“. Das Puppentheaterstück wurde von seiner Tochter Susanne Preußler-Bitsch 2017 im Nachlass entdeckt. Preußler-Bitsch brachte es in die Erzählform und die Geschichte wurde mit Illustrationen von Thorsten Saleina versehen.

Ich finde die Erzählung unterhaltsam und einige Dialoge und Entwicklungen wirklich amüsant. Beim ersten Lesen geriet ich allerdings bereits bei der Einleitung ins Stocken und war nicht wie sonst von Otfried Preußlers Bucheinleitungen in Bann gezogen. Die Rahmenhandlung der Großmutter , die in der Küche das Essen vorbereitet, ist von Sprache und Dialogführung nicht mit Otfried Preußlers Stil zu vergleichen. Der Autor schaffte es in seinen anderen Werken scheinbar mühelos den Leser sofort in die idyllische Welt seiner Protagonisten zu ziehen.

Auch wenn die Illustrationen mit den genialen Bildern J.F. Tripps der alten Räuber Hotzenplotz-Bände aus den 1960er Jahren nicht mithalten können, finde ich sie dennoch gelungen, humorvoll und ansprechend. Bereits das erste Bild auf Seite 4 ist ein Hingucker. Was mir entging, aber meiner Tochter sofort auffiel:  ganz versteckt im rechten oberen Eck des Küchenfensters lugt ein Auge des gewieften Räubers in die gemütliche Küchenstube der Großmutter. Auch der Schlapphut mit der roten Krempe und der roten Feder ist klein erkennbar. Damit wird dem aufmerksamen Kind gleich klar: der Räuber Hotzenplotz läuft frei herum und hält bereits Ausschau nach neuen Opfern… Das sorgt für Spannung.

Ähnlich wie Axel Scheffler stellt Saleina in diesem Buch Menschen und Tiere mit runden Augen dar, dadurch sieht der Bösewicht Hotzenplotz nicht beängstigend aus. Das Buch ist für Kinder von 6 bis 8 Jahren empfohlen. Durch seine Aufmachung ist es meiner Meinung auch als Vorlesebuch für jüngere Kinder geeignet. Darauf weist auch das Buchformat hin, das sich zwischen Bilderbuch und Erstleserbuch bewegt. Mir persönlich gefällt die verulkende Darstellung Saleinas, trotz der auch die Urtümlichkeit der Naturdarstellungen und die heimelige Lebensumgebung nicht zu kurz kommen.

Ein nettes Kinderbuch, das Erstlesern einen vereinfachten Einstieg in die Kasperle- Reihe bieten kann oder als Schwank zwischen dem ersten und zweiten Räuber Hotzenplotz-Band bestehen kann.

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